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16. Oktober 2013 3 16 /10 /Oktober /2013 09:15

Feigen Blog 1000

 

 

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Von neuem saßen wir auf dem Bänkchen vor dem Wartehäuschen. Ich fühlte mich bei dem alten Mann sicher.

»Iß noch«, sagte er nach einer Weile, »und hab keine Angst. Ich werde dafür sorgen, daß du sicher nach Casablanca gebracht wirst. Dort wartet jemand auf dich?«

»Nein, ich bin hier ganz allein. Auf der Flucht aus Frankreich.«

Abermals musterte er mich, dann erhob er sich und brachte aus dem Häuschen eine ordentliche Portion Feigen, schüttete sie mir in den Schoß und bemerkte nur: »Du bist jung und hungrig. Und der Krieg ist eine Bestie. Iß und hab keine Angst, bei mir kannst du ruhig warten.«

Als nach einer guten Stunde auf der Straße ein Staubwirbel aufkam, stand der alte Mann auf und begann mit den Händen in den weiten Ärmeln seines Kaftans zu winken. Ein kleiner, leicht schwankender Bus tauchte auf, bremste und blieb kreischend vor dem Häuschen stehen. Er war unwahrscheinlich voll: Männer, Frauen und viele Kinder. Dazwischen Hühner, ein paar Schafe und Ziegen.

 

[ Das Geheimnis der nächsten Minuten | Lenka Reinerová ]

 


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Malerei1

 

 

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16. Oktober 2013 3 16 /10 /Oktober /2013 09:00

30x3-im-September 9065 Jalousie Marek

 

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Atticus erhob sich und ging auf die andere Seite der Veranda. Nach einer gründlichen Untersuchung der Wistariaranken kehrte er zu mir zurück.

»Vor allem, Scout«, sagte er, »mußt du einen ganz einfachen Trick lernen, damit wirst du viel besser mit Menschen aller Art auskommen. Man kann einen anderen nur richtig verstehen, wenn man die Dinge von seinem Gesichtspunkt aus betrachtet.«

»Wie bitte?«

»Ich meine, wenn man in seine Haut steigt und darin herumläuft.«

 

[ Wer die Nachtigall stört | Harper Lee ]

 


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Scan Lupo 1000

 

 

 

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14. Oktober 2013 1 14 /10 /Oktober /2013 12:40

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Warum ich schreibe?
Das war nicht vorgesehen. Es hätte nie passieren brauchen. Man lebt nicht alle Leben, die man leben könnte. Es passierte. Nichts läßt sich je rückgängig machen. Es ist mein zweites Leben, alle lächeln, wenn sie es hören, als sei es eine Metapher. Wenn sie meine Photos sehen, werden sie sofort ernst. Weil ich zwei Menschen bin. Der vorher, und der seitdem.
Ich hatte mir nichts vorgenommen, es passierte, wie wenn einer überfahren wird. Oder wie Liebe. Man handelt nicht, es passiert.
"Ich habe ein Gedicht geschrieben", sagte ich zu ihm. Morgens vielleicht. Vermutlich morgens. "Du schreibst keine Gedichte", sagte er mißbilligend. "Bis gestern", sagte ich vorsichtig. "Wie wenn die Katze plötzlich zu reden begänne", sagte er. "So leicht ist das also", sagte er empört, als er nach vielem Sträuben es sich angesehen hatte. "Wieso?" sagte ich. "Was ist leicht?" "Gedichte schreiben", sagte er. "Du hast es nie getan. Es ist ein Gedicht." Damit knallte er die Tür hinter sich zu. Als ich die Tür knallen hörte, wußte ich, daß es ein Gedicht war.

 

[ Ich schreibe, weil ich schreibe (Warum einer tut, was er tut) | Hilde Domin ]

 

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Stempel 1200

 


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2. September 2013 1 02 /09 /September /2013 19:00

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Wir könnten uns den Namen der jeweils anderen auf den Arm tätowieren lassen. Wir könnten die Sprache der Delphine lernen. Wir könnten unsere Botschaft in die Welt hinaustragen. Wir könnten Pinguine dressieren. Wir könnten in Hafenspelunken herumlungern. Wir könnten ein Sportabzeichen machen. Wir könnten eine Unterwäsche-Kollektion entwerfen. Wir könnten uns das alles noch einmal überlegen. Wir könnten ganz von vorn anfangen. Oder zur Abwechslung auch einmal von hinten anfangen. Wir könnten das Verhalten von Panzernashörnern beobachten. Wir könnten uns an der Börse notieren lassen. Wir könnten eine aufsehenerregende Krankheit simulieren. Wir könnten ein Land entdecken. Wir könnten so weitermachen wie bisher, fast genau so weiter wie bisher, denn vielleicht sind das auch Ausreden, vielleicht finde ich nichts, weil ich nichts finden möchte, weil es wieder nicht durchgehalten wird, weil wir uns übernommen haben, weil dann doch zurückgeschreckt wird, in letzter Sekunde oder sogar noch davor, und die Tage hier nicht reichten, um das zu zeigen. Es versickerte schnell, auch wenn ich mich dagegen wehrte, zu schnell, um sich selbst noch leichtfertig zu glauben, um noch irgendetwas überzeugt vorbringen zu können beim Frühstück, und jetzt gilt es, sich wieder einzugestehen, wieder ein Abfinden als Ehrlichkeit auszugeben, weil doch alles andere, machen wir uns nichts vor, verlogen wäre, auf keinen Fall von Dauer wäre. Ich bin müde, machen wir uns nichts vor, ich habe es immerhin versucht, machen wir uns nichts vor, es war eigensinnig und vermessen und, machen wir uns nichts vor, reichlich trostlos. Wir könnten in Kontakt bleiben. Wir könnten in regelmäßigen Abständen telefonieren. Wir könnten gemeinsame Kurzurlaube planen. Wir könnten uns auf dem Laufenden halten. Wir könnten uns bemühen.

 

[ Wir bleiben in der Nähe | Till Rammstedt ]

 

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1. September 2013 7 01 /09 /September /2013 20:45

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Eine Woche später kam die erste Karte. Es war ein Foto der Dorfkirche von Canitz, auf der Rückseite stand:

Das Dach ist dicht. Das Kind putzt sich die Nase, spricht nicht, ist immer da. Auf die Sonne ist Verlaß, ich rauche, wenn sie geht, ich habe was gepflanzt, das kannst du essen. Den Efeu schneid ich, wenn du kommst, du weißt, du hast die Schlüssel immer noch.

Danach kamen regelmäßig Karten, ich wartete, wenn sie einen Tag ausblieben, war ich enttäuscht. Es waren immer Fotos der Kirche und immer vier oder fünf Sätze, wie kleine Rätsel, manchmal schön, manchmal unverständlich. Stein schrieb oft ... wenn du kommst. Er schrieb nicht: »Komm«. Ich beschloß, auf das »Komm« zu warten, und dann loszufahren.

 

[ Sommerhaus, später | Judith Hermann ]

 

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  • : F R I D A
  • : Anfangs habe ich hier über Frida, meine Pflegehündin, geschrieben. Auf diesem Weg haben wir Menschen für sie gesucht, die sie für immer adoptieren wollen. Ihr neues Zuhause hat Frida inzwischen gefunden, das Blog bleibt bestehen ... was daraus wird, wird sich mit der Zeit finden. Herzlich willkommen!
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